Kaiserlich wandern auf dem Kaiserstuhlpfad

Aussichtsreicher Kaiserstuhl (Foto: HikeKarin.com)

Einmal über den Kaiserstuhl auf einer durchmarkierten Route wandern und das komplette Vulkanmassiv erleben: Das ist seit dem Jahr 2019 möglich! Der rund 22 km lange Kaiserstuhlpfad wurde nicht nur in das Wegenetz der Region integriert, sondern auch als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland zertifiziert. Wer diesen Weg geht, der wird nicht nur die berühmten Weinlagen des Kaiserstuhls erleben, sondern auch artenreichen Buchenwald und meterhohe Lösswände bewundern können. Ich finde, er bietet auch dadurch ein geballtes Wandererlebnis, weil die Strecke in einer Tagestour zu meistern, wenngleich sportlich anspruchsvoll ist.

Am Anfang war Endingen

Direkt am Bahnhof von Endingen am Kaiserstuhl befindet sich der erste Wegweiser mit dem Logo des Kaiserstuhlpfades. Zunächst geht es durch das hübsche Städtchen mit seinen historischen Gebäuden, seinen Geschäften und Gastronomiebetrieben. Hier kann man sich mit Kaffee stärken und den Rucksack für ein Picknick unterwegs füllen. Denn es gibt auf der gesamten Strecke kaum Einkehrmöglichkeiten, dafür aber viele schöne Pausenstellen. Aber dazu später mehr.

Verkehrsbüro Endingen (Foto: HikeKarin.com)

Aus dem Ort hinaus wandert man durch ein idyllisches „Kastanien-Alleechen“ – also eine Kastanienallee, die den Wanderpfad begleitet und nur zu Fuß zu erleben ist. Sanft und stetig ansteigend werden über drei Kilometer kaum merklich mehr als 300 Höhenmeter bis zur Katharinenkapelle gemeistert. Hier gilt es erstmal zu verschnaufen. Leider ist die Aussicht zugewachsen, schade. Man muss sich schon auf eine Bank stellen, um einen Blick auf die Rheinebene nach Norden zu erhaschen. Aber Aussichten gibt es noch genug auf dem Kaiserstuhlpfad.

Kastanien-Alleechen bei Endingen (Foto: HikeKarin.com)

Mittendrin im kalten Vulkan

Auf- und abwärts winden sich Waldpfade und Wiesenwege über die Kaiserstuhlhöhen. Vor 16 Millionen Jahren brodelte hier ein Vulkan, ergoss über 3 Millionen Jahre Schicht für Schicht Lava, die insgesamt nahezu 60 m² Fläche überdeckt. Dies ist die Ursache für die kleinteilige Vielfalt und Fruchtbarkeit der Böden. Kernig sind einige Auf- und Abstiege zu den Gebirgskuppen, die auf über 550 m Höhe führen. Das ist absolut gesehen nicht wirklich hoch, dennoch empfindet man die Landschaft durchaus als Mittelgebirge, denn der Kaiserstuhl erhebt sich abrupt aus dem Oberrheingraben. Das wird einem spätestens nach der Besteigung des 28 m hohen Aussichtsturms auf der rund 550 m hohen Eichelspitze bewusst. Von hier bietet sich ein 360°-Blick auf den Schwarzwald im Osten, die Vogesen im Westen sowie nördlich und südlich auf den absolut ebenen Oberrheingraben mit seinen ausgedehnten Spargel- und Erdbeerfeldern.

Eichelspitze-Aussichtsturm (Foto: HikeKarin.com)

Zartes Grün begleitet den Wanderweg im Frühling, Buschwindrösschen und Orchideenwiesen zeigen erste Farbklekse. Die Stille im Wald wird nur durch das Frühlingsgeschwätz der Vögel unterbrochen. Ansonsten ist man hier oben fern von Straßen und Bahnstrecken, Fabriken oder trubeligen Hotspots. Zwischendurch gibt es immer ausreichend Möglichkeiten, auf Holzbänken zu pausieren und zu vespern. Da bleibt auch mal für 30 Minuten die Zeit stehen. Noch nicht einmal ein Wimpernschlag in der Erdgeschichte… 

Kaiserstuhlpfad im sanften Waldgrün (Foto: HikeKarin.com.)

Das Muss zum Schluss

Was wäre eine Kaiserstuhlwanderung ohne Tuchfühlung zu den Weinreben? Ein No-Go! Nach rund zwei Dritteln der Wanderstrecke wird das Waldkleid gegen Weinberge getauscht. Eine komplett andere Landschaft öffnet sich bei Bickensohl- der Wiege des Grauburgunders. Hier wandert man durch die breiten Weinterrassen, auf Wiesen- und Wirtschaftswegen und hinter jeder Kurve bietet sich ein anderer Blick.

Weinberge bei Bickensohl am Kaiserstuhl (Foto: HikeKarin.com)

An diesem Mosaik der Landschaft kann ich mich kaum satt sehen- es ist wieder Zeit für eine Pause. Beim Anblick der Frühlingsblüher zwischen den noch laublosen Zeilen von Burgunderreben stelle ich mir die Weinberge im Jahresverlauf vor: Vom sommerlichen Grün bis zum herbstlichen Bunt wird der Anblick vermutlich nie langweilig sein.

Auf den letzten fünf Kilometern durchwandert man beeindruckende Hohlwege mit steilen Lösswänden und erfährt, wie diese Kulturlandschaft gepflegt und erhalten wird. Dass Löss nicht vulkanisch entstanden ist, sondern durch Wind in den Zwischeneiszeiten des Pleistozäns angeweht und über 100.000 Jahre lang angehäuft wurde, gibt der Gegend eine weitere geografische Auszeichnung und den Weinreben ein besonderes Terroir. Keine Frage, dass man nach dieser Wanderung den Kaiserstühler Wein probieren und den Tag so ausklingen wird.

Löss-Hohlwege bei Ihringen (Foto: HikeKarin.com)

Praktische Hinweise zur Tour

Wer im Landkreis Breisach-Hochschwarzwald in einem touristischen Betrieb übernachtet, erhält im Rahmen der Kurtaxe die KONUS-Karte (KONUS-Gästekarte | Schwarzwald Tourismus GmbH (schwarzwald-tourismus.info), mit der die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel im Nahverkehr sowie Eintritte in zahlreiche Einrichtungen kostenfrei sind.

Mit der Bahn erreicht man von Breisach am Rhein über Ihringen mit Umstieg in Gottenheim in rund 45 Minuten den Startpunkt der Tour in Endingen am Kaiserstuhl.

An den Wegekreuzungen sind Wegweiser mit Kilometerangaben sowie dem Logo des Kaiserstuhlpfades angebracht. Unterwegs folgt man der gelben Raute- das typische Markierungszeichen des Schwarzwaldvereins, der sich um die Wanderwege kümmert.

Einige Strecken – vor allem zu den Bergkuppen und in den Weinbergen, sind sehr steil und erfordern Trittsicherheit aufgrund des teils gerölligen, teils staubigen Untergrundes. Hier hätte ich mir Zick-Zack-Pfade gewünscht. Wanderstöcke sind zu empfehlen. Ansonsten erfordert der Weg keine besonderen Fähigkeiten, außer Ausdauer wegen der Länge der Wanderstrecke.

Die ausführliche Wegebeschreibung, Anreiseinformationen, Karten mit kostenfreier Downloadmöglichkeit gibt es auf dem Tourenportal von Schwarzwaldtourismus: Kaiserstuhlpfad • Wanderungen » Der offizielle Schwarzwald-Tourenplaner (touren-schwarzwald.info) sowie auf der dazu gehörenden App Schwarzwald App | Schwarzwald Tourismus GmbH (schwarzwald-tourismus.info)

Die Wanderung habe ich im Rahmen einer Recherchereise in Kooperation mit Breisach-Tourismus erlebt. Meine persönliche Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

3 Gedanken zu “Kaiserlich wandern auf dem Kaiserstuhlpfad

  1. Einfach wunderbar. Vielen Dank fürs mitnehmen. LG

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  2. […] Nachtrag: Wer Lust hat, den Kaiserstuhl einmal zu „überwandern“- dem empfehle ich meinen Blogbeitrag zum Kaiserstuhlpfad. […]

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